… An denen man andere einfach nicht versteht?

Ich möchte unbedingt auf meinen Gegenüber eingehen. Partizipieren, kommunizieren, erleben. Aber ich kann einfach nicht in seinen Kopf sehen!

Für mich völlig willkürliche Argumente wie Intuition oder Bauchgefühl schließen mich aus. Ich kann diese Kriterien nicht nachvollziehen, ich weiß nicht, worauf ich achten soll, wie ich reagiere. Meine Handlungen werden als unpassend, anmaßend, überheblich empfunden. Das merke ich nicht mal. Wenn man es mir sagt, ist es wie ein Schlag ins Gesicht: DU HAST MICH NICHT GESEHEN, DU HAST MICH NICHT RESPEKTIERT!

Es fühlt sich furchtbar an, meinem Gegenüber dieses Gefühl zu geben. Vor allem ist es gar nicht meine Absicht. Ich möchte teilhaben, dabei sein, eingebunden werden. Aber irgendwie zu meinen Konditionen. Kann ich das erwarten? Erwartet mein Gegenüber nicht irgendwie das selbe von mir? Wo hört meine Autonomie auf, fängt die des anderen an?

Ich habe keine Ahnung. Im Moment ist meine Lösung, aus der Situation raus zu gehen. Nicht teilzunehmen, sondern zu warten. Meine Autonomie, meine Meinung, meine Gefühle zurück zu stellen. In welchen Situationen ist das ok? Wann verliere ich mich selber?

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… an denen man nicht dazu gehört?

Nur mal vorne weg, hier wird nicht immer nur das negative stehen. Wenn mir danach ist, wird hier auch was schönes stehen. Aber gerade ist das ganze dafür da, mich auszukotzen. Irgendwie sage ich nie, was mich wirklich bewegt, es ist auch sehr bezeichnend, dass es wieder mitten in der Nacht ist und ich was getrunken habe.. Aber egal!

Kennt ihr diese Tage, an denen man nicht dazu gehört?

Ich sitze in dieser großen Gruppe. Alle kennen ich seit Jahren, ach was! – Jahrzehnten!  Familie – so nennt sich das. Familie sucht man sich nicht aus, die kriegt man geschenkt… Und wie ist das mit der Stieffamilie? Die ist doch irgendwie ausgesucht… Wenn dann noch die ehemaligen Partner dabei sind und alle Friede, Freude, Eierkuchen machen… Muss ich das gut finden? Gerade finde ich es nur anstrengend. Wir sind 12 Leute und ich gehöre einfach nicht dazu. Nicht zu den Pädagogen, zu den BWLern, nicht zu den Sportlern, nicht zu den Vernünftigen oder Verrückten. Sehe nur ich mich so? Finden die anderen mich bekloppt? Ich versuche meine Ideale zu schützen ohne wem ans Bein zu pinkeln – gar nicht so einfach.

Das ich beim Fisch auf die Herkunft achten möchte, versaut den anderen das Essen. Auch wenn ich gar nicht selber mit dem Thema anfange. Ein ganzes Schwein grillen? Nee, das ist ja eklig, da sieht man wo das Fleisch herkommt. Hmm, fordere ich zu viel von meinem Gegenüber? Meinen Babyneffen finde ich auch süß – aber muss ich deshalb ewig und drei Tage babysingen ertragen?

Da sind wir wieder beim letzten Beitrag – wie stehe ich für mich ein, ohne andere anzugreifen? Schweigen und nicht dazu gehören? Reden und in den Konflikt gehen? Irgendwie fehlt mir der Mittelweg. Scheiße ist das. Und so sitze ich daneben und trinke ein Glas Wein. Oder zwei. Und wenn ich Pech habe, lasse ich mich doch noch auf die Diskussion ein. Und ziehe den kürzeren. Dann bin ich wieder die seltsame. Hmpf. Integrität ist ne blöde Kuh.

… an denen man sich überflüssig fühlt?

Kennt ihr Tage, an denen man sich überflüssig fühlt? Die, an denen man tun kann, was man will, und immer einen Schritt zu weit geht?

Ich möchte nicht mehr – nicht mehr in die Privatsphäre anderer eindringen, jemanden in  Verlegenheit bringen, das Gespräch zum stocken bringen. Ich möchte wohl überlegt sein, denken  bevor ich spreche und meinen Ärger an der richtigen Stelle ablassen.
Aber wo ist das? Wem kann man sagen, was einen bedrückt, wo die Wut oder Trauer loslassen?
Wenn ich mich über meinen Freund ärgere, ist er irgendwie nicht der richtige Adressat. Er fühlt sich angegriffen, herab gewürdigt – treffe ich den falschen Wortlaut? Darf ich nicht sagen, was mich bewegt?
Erzählte ich das meiner besten Freundin, bittet sie mich um Milde – ich bin zu hart in meinem Urteil, ich greife in sein Leben ein, habe kein Recht seine Entscheidunge  in Frage zu stellen.
Muss ich nicht auch mit seinen Entscheidungen leben? Mit den Konsequenzen daraus? Versteht mich nicht falsch, es geht nicht darum zu verurteilen, zu verbessern, zu bewerten, es geht um Austausch – meine Meinung gilt auch! Ich darf seine Mama manchmal doof finden, ich darf seine Geschichtem manchmal langweilig finden. Warum darf ich das nicht sagen? Warum habe ich das Gefühl, auf Zehenspitzen zu laufen, darauf zu achten, nichts falsches zu sagen… Manchmal schreit es aus mir heraus – DAS IST NICHT RICHTIG!!! DAS KANN ANDERS SEIN! SIEH MICH!!! SIEH MICH ENDLICH AN UND ERKENNE MICH AN!
Meine Meinung gilt etwas – sie ist nicht unbedeutend und falsch. Warum kann ich mich nicht mitteilen? Warum fühlen sich alle vor den Kopf gestossen? Liegt es an mir, an ihnen? Ich fühle mich alleine und unverstanden. Alle meine Gedanken sind zu viel, ich mache mir immer Sorgen um ungelegte Eier. Na und? Wenn ich das so will? Wenn das nun mal in meinem Kopf vor sich geht? Und wenn ich zum hundertsten mal den zweiten Schritt vor dem ersten mache, dann ist das meine Entscheidung! Die kann man mit mir diskutieren, man kann Argumente vorbringen, Fragen stellen, aber verurteilen darf mich niemand dazu.
Verurteile ich mit meinen Worten? Erwarte ich von anderen, was ich selber nicht bereit bin zu geben? Was macht mein Missfallen mit anderen? Und warum reagiere ich so?
Vielleicht ist es Erziehung – das Böse Wort. Ich spiegele das Verhalten, das mir jahrzehntelang vorgelebt wurde. Du hast mit offenem Mund gegessen? Macht man nicht! Man sagt bitte und danke, keine Ellbogen auf dem Tisch, kein ehrliches Wort zum Gegenüber.
Wie drücke ich mein Missfallen aus? Meine Ungeduld? Mein Unverständnis?
Sehr anklagend. Abwertend. Anmaßend. Was ist die Alternative? Wie kann ich besser kommunizieren? Meine Ansichten äußern, ohne zu verletzen? Ich habe ein Recht auf meine Meinung – aber nicht auf die Kosten anderer.